Über Florian Held

Held, in Ausbildung zu | Kann Spuren von Zynismus, Melancholie und wehenden Umhängen enthalten | Bekannter Schriftsteller (so etwa ab 2023)

Schland! …oder so.

Frankreich gegen Schland, Horray!, verloren, Horruh?, egal, als wenn Dich das jemals interessiert hätte, aber die Nacht ist doch voller diesmal, nicht lauter, voller, Menschen, die einfach nur noch nach Hause wollen, oder in die nächste Kneipe, oder zur Nachttanke, also genauso wie Du, ein paar kommen Dir entgegen, weichen Dir aus, die Blicke überall, nur nicht in Deine Richtung, und das ist auch mal ganz geil, oder?, ja, ist es. Macht und böser Junge und leckt mich doch alle, sie spüren, sehen selbst im Halbdunkeln der Straßenbeleuchtung Deinen Hass, und solange Du jetzt nicht nen paar echten Hools über dem Weg läufst, kannst Du es, darfst Du es, solltest Du es genießen, die Blicke, die sofort nach unten gehen, den Bogen, der um Dich gezogen wird, das klein machen, aber vor allem den Hass – die reine, unverfälschte Wut, ziellos, eigentlich, oh, ganz sicher nicht wegen dem Spiel, sorry, nein, sondern gegen alles und gegen jeden und gegen das Nichts, vor allem gegen das Nichts, gegen den riesigen Scherbenhaufen, den Du Leben nennst, gegen die Freunde, hah, Perlen vor die Säue und so, also sind wir mal ehrlich, gegen Dich; und Du genießt es, trotzdem, deswegen, aber eigentlich weil Du endlich wieder etwas fühlen kannst, und wenn es nur Hass ist, egal, genieße es, es wird nicht lange anhalten.
Und auf dem Rückweg wieder die Blicke, die Nichtblicke, das Ausweichen, jaja, weicht nur aus, ich würd ja auch, wenn ich nur könnte, die Jackentasche schwer mit Bierdosen, immerhin, und irgendwo hier versteckt sich eine Bukowski-Referenz, oder sollte sich, und wenn Dir das zu weit weg ist, dann sei Gott gedankt für Stefanie Sargnagel, und glotzt mich alle bloß nicht an, breitbeinig, und leckt mich, und der kleine Penner auf der Bank am Weg macht sich noch kleiner.
Und plötzlich ist das der Moment, wo Du zögerst, ein paar Augenblicke weiter, zögerst, stehen bleibst, umdrehst.
Und Du sprichst ihn an, entschuldigst Dich, dass Du ihn jetzt einfach so ansprichst, fragst ihn, ob alles okay ist, ob er klar kommt, schon wieder, Du kennst ihn, Du hast ihn schon mal gesehen in diesem Viertel der so satten Menschen, hast ihn schon mal gefragt, und was soll er eigentlich auf diese Frage antworten?, die kleine Flasche in der Hand, und so klein auf der Bank, und Du fummelst Dein letztes Geld aus der Tasche, Deine Kippen, und es regnet in den letzten Tagen einfach zu viel, dass macht es nicht einfacher, und genug Kleingeld für den harten Alk ist auch nicht oft da, und ganz ehrlich, zuallermindest das kannst Du verstehen, und Du entschuldigst Dich, dass Du nicht mehr Geld dabei hast, und komm gut durch die Nacht, Mann. Und es tut mir leid.
Und im Weggehen merkst Du, wie der Hass ganz plötzlich fort ist, mal schauen wie lange diesmal, und vielleicht ist Dir da, während Du an ein und zwei und drei geparkten SUVs vorbeigehst, neben der Leere und der Verzweiflung irgendwas ins Auge gekommen, und als Du die nächste Ecke nimmst, merkst Du, Du hast ihn nicht einmal gefragt, wie er heißt…

Und in der Luft Musik…

Irgendwo Ende der neunziger, damals™, als alles noch schwarz/weiß war, jaja, ich weiß; irgendwann in Stockholm, in der Nacht, an diesen Ausläufern der Ostsee, die Lichter von Gamla stan zu Deiner Rechten, zu Deinen Füssen die #Nanas, Niki de Saint Phalle winkt Dir einen Gruß aus Deiner alten Heimat, fast jedenfalls, vor Dir Dunkelheit, Wald, der Jahreswechsel in der Luft, erstaunliche Stille so nah an der Stadt, so nah am Leben, vor Dir Lachen und Flüstern, an Deiner Hand Lachen und Liebe, in der Luft Musik… Und irgendwo in nem Club, Lachen und Liebe und Tanzen, zwischendurch tatsächlich #Roxette, zur Mitternacht #Abba, hey, das ist hier ist Schweden! Das neue Jahr beginnt bei McDonalds, Lachen und Lächeln…
Niki de Saint Phalle starb 2002 mit 71 Jahren, und wenn Du ehrlich bist, hast Du das nicht gewusst, aber das ist okay, Dein Lachen und Dein Tanzen und Dein Flüstern starb vor ihr, nein, eigentlich nach ihr, aber eigentlich, eigentlich lange vor ihr…

Neues Album, alte Männer…

Und vielleicht ist es wahr, was sie über die erste große Liebe sagen; und vielleicht hast Du, vielleicht habt Ihr Euch Jahrhunderte weit auseinandergelebt, aber Gott, ganz sicher: Ihr seid so alt geworden, nicht zusammen, aber gemeinsam.
Und vielleicht bleibt Ihr stehen, wenn Ihr Euch hört, seht, plaudert ein bisschen, oberflächlich, unverbindlich, und vielleicht geht Ihr auch einfach weiter, den Blick irgendwo, nur nicht hier, nur nicht im Jetzt, irgendwo, irgendwann, und vielleicht irgendwo dort, zusammen, damals, und vielleicht bleibst Du kurz alleine stehen, zündest Dir ne Kippe an, im Regen, und wenn es jetzt nicht regnen würde, würdest Du etwas falsch machen, und vielleicht denkst Du an all Eure Lieder…
Immerhin.
Und vielleicht lächelst Du…
‪#‎roxette‬ ‪#‎goodkarma‬

Ladebildschirm

Und irgendwo im Kölner Westen, Richtung Nachttanke, alles so tief still und regungslos wie jedes dunkle Fenster, wie alle Fenster, wie die Straßenlaternen im Kölner Nebel, Richtung Nachttanke, Richtung Kippen, Bier, Menschen, Richtung Licht…
Und auf dem Rückweg entlang der Stille, an den tiefdunklen Fenstern vorbei, das Dosenbecks in Deinen Jackentaschen wiegt, in Deiner Hand die Gauloises, noch nicht angezündet, und jetzt einfach stehen bleiben; einfach stehen bleiben, während der Himmel über Dir wieder heller wird, wieder seine Farbe verliert, anfängt zu flackern, Menschen hasten, Fenster hell und wieder dunkel, das Veedel um Dich herum wächst, fällt, wächst, und Du stehst, stehst einfach, die Kippe unverbrannt in Deiner Hand…

Nachttanken-Büddha

Alles Mist, alles Scheiße, an jeder Front führst Du Rückzugsgefechte, und Du weißt schon längst nicht mehr, wie lange Du das schon tust, und Du weißt schon längst nicht mehr, wohin Du Dich eigentlich noch zurückziehen willst oder wohin Du Dich eigentlich noch zurückziehen kannst, vielleicht, ach, vielleicht in die Nacht, oh Mann, irgendwo hin, obwohl Du natürlich ganz genau weißt, wo das irgendwo ist, aber so liest es sich halt einfach besser, also irgendwo, blablabla…

…irgendwo, betrunken, und natürlich bist Du betrunken, aber den Flieder und den Regen in der Luft riechst Du trotzdem, irgendwo, betrunken im Kölner Westen, im satten Kölner Westen, an der endlosen Reihe von Hausfrauen-Panzern entlang, Lichter, Lachen in den Fenstern, Du schaust besser nicht nach links oder rechts, und wenn Du ehrlich bist, überlegst Du jetzt schon, wie Du es später formulieren wirst, Du, alleine in der Nacht, Awwww, schon wieder, Ooooh, Du, wie Du an einem Rückspiegel hängen bleibst, nach kurzen Zögern Dein ganzen Gewicht reinlegst und ihn abreißt, oder ihn abreissen tust? Besser jetzt, oder besser erst auf den Rückweg?  Nach dem Büddha, nach den Schlafsäcken unter der Autobahnbrücke, wo würde es besser passen?

Und Deine Leiste schmerzt, da, wo Du am Rückspiegel hängen geblieben bist, aber jetzt biegst Du an der Kreuzung ein, und vor Dir die Lichter der Nachttanke, jetzt links und rechts und unter Dir die Bahn, und garantiert lässt Du jetzt keinen Gedanken zur Endlosigkeit oder zum Fernweh zu, gehst einfach weiter, und plötzlich dort im Halbdunkeln andere Schatten, vielleicht Bewegungen, vielleicht Stimmen, vielleicht auch nicht, Schatten aber ganz sicher, Schlafsäcke, Decken, Kartons, und weiß der Geier was noch, Penner, Menschen, unter der Autobahn-Brücke, auf halber Strecke zwischen den Hausfrauen-Panzern und der Nachttanke, mitten im satten Kölner Westen… Und Du gehst weiter.

Und die Nachttanke wartet nur auf Dich, Kippen!, Bier!!, an der Kasse, die Nachtschicht, schon wieder, der fette Türke, hey, Du darfst das sagen, Euch trennen schließlich nur ein paar Gramm, HaHaHa, und diesmal, diesmal kriegst Du ihn auch zum Reden, den Nachttanke-Büddha, HoHoHo, Deine eigenen deutschen Umlaute gegen seine und so, und Du packst Dein Bier auf den Tresen, Hey, alles gut? Und er wirft Dir so nen Blick zu, und fragt diesmal „Müde?“, und Du lallst irgendwas, und er „…wegen der roten Augen“, und Du nickst, und murmelst noch schnell was, müde ist es, oder was geraucht oder so; dass Du die ganze Nacht geheult hast, muss er nicht wissen, das Dich die Frage, die reine Beobachtung aus dem Gleichgewicht haut, muss er nicht wissen…

Und auf Deinem Rückweg denkst Du darüber nach, dass er sich sein Informatikstudium an der FH mit der Nachtttanke verdient, und Deine Bierdosen wiegen schwer in der Jackentasche, und die Schatten unter der Bahn wiegen schwer in Deinem Kopf, Hausfrauen-Panzer und Lichter und Lachen links und rechts, und spätestens irgendwo hier sollte sich die Pointe finden…

DU…

DU standest kurz vor Ladenschluss vor mir beim ‪#‎Rewe‬ an der Kasse. Du hast Parka, Lederleggings und Ugg-Boots getragen. Du hast umwerfend gelächelt und nur 3 Kisten Becks gekauft, deshalb ist das mit den Ugg-Boots schon okay. ICH stand direkt hinter Dir und hatte meine Brieftasche vergessen, weshalb es nur für Kippen gereicht hat und nicht mehr für Bier… Wenn DU das hier liest, vielleicht können wir uns über die Feiertage mal kennenlernen?

Alledoofaußerich™

Amir Kassaei, „einer der meistausgezeichneten und erfolgreichsten Kreativen der Welt“ gibt der Süddeutschen ein Interview zum ‪#‎Edeka‬-Spot, nein, Moment, „gibt“ ist eigentlich nicht das richtige Wort bei einer Sprache, die ich mir auf Facebook erlaube, die aber im Medium nebenan zumindest ein wenig fragwürdig wirkt, aber hey, vielleicht ist das ja auch schlicht so ne Imagegeschichte, was weiß ich denn schon vom Image eines „weltweiten Kreativchefs“, harter Bursche, tough Cookie oder Mad Men und so, jedenfalls denkt man noch, wie schön es mal wieder wäre ein Interview zu lesen, so ein richtiges Interview, so wie damals™, so mit echten kritischen Rückfragen und Widerspruch, so eins, wo man nicht damit durchkommt, sich von einem Absatz zum nächsten fröhlich selbst zu widersprechen, oder leere Hülsen wie „Es geht aber um Relevanz“ (wessen und welche Relevanz denn, um Himmels willen!) rauszuhauen, wie geil es mal wieder wäre ein Interview zu lesen, wo der Journalist bei dem Satz „In Deutschland ist die kreative Klasse vor 80 Jahren vergast worden, womit ich nicht sagen will, dass nur Juden kreativ sind“ einfach aufsteht und geht, aber gut, okay, was solls, auch Journalisten dürfen Kumpels haben oder keine Ahnung oder keinen Bock oder dürfen meinetwegen auch geistig schon im Weihnachtsurlaub liegen, Schwamm drüber, kein Grund sich aufzuregen, was solls…
Aber dann spült das gute, alte Facebook (Hooray!) das Ding wieder hoch, klar, schließlich haben auch die ganzen werbenden Wasserträger wie unsereiner was dazu zu sagen und wozu hat man denn nen Account in den sozialen Netzwerken und ja, Gott, dann halt los.
Da besteht offensichtlich Gesprächsbedarf oder Postbedarf und deshalb lese ich jetzt, wie recht der Herr Kassaei, der Amir, doch hat, und der ganze Ansatz von Edekas ‪#‎Heimkommen‬ ist sowieso Mist, denn während man im eigenen Post ständig und ausdrücklich vom „Edeka“-Spot schreibt, weiß der gemeine Konsument auf der Straße natürlich längst nicht mehr, wer da grade eben geworben hat…
Klar, die sind ja auch alle, alle blöd, also die™, die anderen™ halt, der gemeine Bürger an sich hat ja ein so viel kleineres Gehirn, das ist statistisch ja erwiesen, doch, doch, und deshalb beziehen die sich wahrscheinlich mit Grunzlauten auf den Spot, oder machen nen schnelles Fingerfarbenbild oder werfen einfach ihre leeren Doppelkornflaschen in die ungefähre Richtung der nächstgelegenen #Edeka-Filiale, ach ne, das wissen die ja gar nicht mehr, dann halt Richtung Aldi oder so, alledoofaußerich™…
Amir Kassaei geschenkt, Image und so, Kreativchef halt, der muss auch mal gegen die Konkurrenz schießen, bisschen PR, vor allem wenn der Spot, der grad in aller Munde ist, nicht aus dem eigenen Haus kommt sondern von ‪#‎JvM‬, okay, aber die Wasserträger auf den hinteren Bänken, die lieben Facebookposter, noch so klein aber schon so vollgesogen mit diesem gewissen Menschenbild – Wi. Der. Lich. Aber was weiß ich schon…

Irgendwo im letzten Sommer…

Irgendwo im letzten Sommer, ein schneller Einkauf beim ‪#‎Rewe‬ um die Ecke, Kippen, Bier, Zeugs halt, der beste Ex-Mitbewohner der Welt noch im Laden, Wocheneinkauf für die Familie, und Du schon draußen, eine schnelle Kippe, Sommerluft und diverse Alarme, der satte Kölner Westen halt. Ein altes Ehepaar verlässt neben Dir den Laden, irgendwo jenseits der siebzig vielleicht, sicher irgendwo dort, wo Deine Eltern sind, schwer beladen, Wocheneinkauf schon wieder, jeder der beiden einen riesigen Korb in der Hand, vorsichtige Schritte zwischen Sporthochschulstudenten, SUV-Weibchen und verwöhnten Kids, ein Meter, zwei Meter, Du denkst noch, wie komisch es ist, das immer die Frau in diesem Alter so viel fitter, so viel agiler scheint, und dann hörst Du seine Stimme, geflüstert, zu seiner Frau, leise und sanft, weil es ihm peinlich ist, weil er es nicht ändern kann, weil es einfach so ist, wie es ist:
„Ich schaff es nicht…“
Und Du hörst es, und Du siehst es und es tut Dir leid, das Du es gehört hast, während Dir schon die Tränen in die Augen schießen, ein ganzes Leben zu diesem Moment gelebt, wo die Einkäufe zu schwer sind, und Du es zugeben musst.
Und Du entschuldigst Dich, so furchtbar diese Kapitulation wirklich gemacht zu haben, entschuldigst Dich und fragst trotzdem, ob Du helfen darfst, den Korb tragen darfst, Deine Stimme hölzern, weil Du nicht hier und jetzt die ganze Breitweite zulassen willst und kannst, der beste Ex-Mitbewohner der Welt kommt hinzu, begreift, und seine Stimme, seine Haltung ein Spiegel von Dir, und ihr tragt gemeinsam die Einkaufskörbe des Pärchens durch die Straßen.
Rechts abbiegen, links abbiegen, nur ein Katzensprung, Du versuchst Dich in Smalltalk, hörst, spürst dabei das Misstrauen der Frau, wollen diese Männer uns beklauen, unsere kostbaren Einkäufe!, oder uns in unserer Wohnung töten, vergewaltigen einseinself, während er von früheren Zeiten erzählt, wie das Viertel früher war, das man lange in Bonn gelebt hat, ach, tatsächlich, Sie auch, ja, das ist die andere Rheinseite nicht wahr, und über die Kinder, die sich nie melden, aber eigentlich geht es um diese Niederlage, gemischt mit Dankbarkeit, aber eine Niederlage trotzdem, leise, sanft, schwach, und wir müssen Ihnen das natürlich irgendwie vergelten, nein, nein, das ist doch eine Selbstverständlichkeit, bis zur Wohnung, der Treppe hinab zum Eingang, der Treppe hinauf bis zur Wohnungstür.
Und Du stehst mit Deinem Zeug und mit dem besten Ex-Mitbewohner der Welt wieder draußen und Du kämpfst immer noch mit Deinen Gedanken, mit Deinen Gefühlen und ihr habt beide keinen Mut auf dem Weg nach Hause irgendetwas zu sagen…
Und irgendwo im Winter denkst Du immer noch an die beiden, zwischen Sporthochschulstudenten, SUV-Weibchen und verwöhnten Kids und dem Penner, der jetzt neben dem #Rewe sitzt, und immer noch hast Du irgendwas im Auge, vielleicht wird ja auch einfach nur Dein Keks langsam weich, und vielleicht fragst Du auch deswegen den Penner, ob alles okay ist, soweit das irgendwie möglich ist, klar, und Du gibst ihm Deine letzte Schachtel Kippen und Deinen letzten zwanziger und Deine Stimme ist wieder hölzern, und Du weißt genau, das ein bisschen Anteilnahme, ein bisschen Menschlichkeit soviel mehr wert wäre, aber Du kannst es nicht, Deine letzten Barrieren würden fallen, sorry Freund, komm gut durch die Nacht, und Du hast die ganze Zeit ‪#‎Camus‬ im Kopf, die Sinnlosigkeit und den Triumph, der im Trotz liegt, im Trotz liegen muss, während in Deinem warmen Zuhause ‪#‎Facebook‬ auf ist und ‪#‎Gronkh‬ nebenbei läuft…
Und scheiß auf #Camus oder auf alle anderen, es gibt keinen Weg nach draußen, kein Loch in der Welt, keinen Triumph in der Sinnlosigkeit, keinen Ausweg – es gibt nur Momente. Nur uns…

Futterneid und so…

Futterneid? FUTTERNEID!? Echt jetzt, welt.de, echt jetzt? Es gibt hier, in Deutschland, in eurem heiligen Deutschland, Menschen, die sich nicht mehr genug zu essen kaufen können, Punkt! Und das nicht erst seit Gestern, ist das keine Schlagzeile wert? Ganz egal, welche Nationalität, welchen Pass, welchen Aufenthaltsstatus sie haben; im reichen und fetten und selbstgefälligen Deutschland stehen Menschen in Schlangen und hoffen auf Almosen, ein paar Kartoffeln, ein paar Zucchini, ein paar Nudeln; hier und heute in eurer Stadt, in meiner Stadt hoffen Menschen auf Almosen um WAS ZU ESSEN ZU HABEN, und wir reden hier nicht davon, Platte zu schieben, was euch, nebenbei, ja auch noch nie interessiert hat. Während ihr und euer Klientel immer fetter werdet? Herzlichen Glückwunsch von mir. Ich weiß nicht genau, wo ihr euer Handwerk gelernt habt, oder ob es weniger Beruf und nicht vielmehr Berufung ist; und ich weiß nicht genau, ob eine solche Menschenverachtung wirklich das allerletzte ist – aber ihr seit gut im Rennen.

(Und ja, nur ein Screenshot. Eher fault mir die Hand ab, als das ich dem Dreck auch noch einen Link gönne.)

 

12193713_974867112577116_2148654644731405150_n

Das Leben ist….

Okay. Okay, okay. Ich möchte es mal so sagen…
Wenn mir noch ein einziger, mehr oder weniger sinnreicher, und sie sind IMMER weniger, nicht mehr sinnreich, pseudo-philosophischer „Das Leben ist doch toll!“-Spruch in den Stream gespült wird, mit oder ohne esoterischen oder buddhistischen oder weiß der Geier was grade für ein Religions-Substitut trended, Bezug…
Dann, ja dann fange ich an, blutige Sonnenblumen, Veilchen und vielleicht auch Kakteen zu kotzen!
Und das wollen wir doch alle nicht.
Und das Leben ist Scheiße, mein Freund.
Ganz sicher nicht für Dich, auch wenn Du es glaubst, aber für jeden, der keine Zeit hat, auf Facebook solche Kalendersprüche rauszuhauen;
Armselige Nicht-Weisheiten von noch armseligeren Beinahe-Autoren, die vor 200 Jahren nicht einmal auf irgendeinen ranzigen Kleinst-Hof den Mist weg hätten schaufeln dürfen, geschweige denn als Philosophen oder sonst was betrachtet worden wären;
Nicht-Weisheiten in Ich-kann-kein-Photoshop-aber-ich-machs-trotzdem-Sternchen-und-Einhörner-Bildern, in denen ganz sicher kein Trost oder Hoffnung liegt;
höchstens noch ein wissendes Nicken, ein kleines Like, von jenen, die genauso wenig das Leben kennen wie Du.
Du schreist es der ganzen Welt entgegen, wie eingeschränkt Dein Blick auf das Leben ist, wie wenig Vorstellungskraft Du hast, wie klein für Dich doch die Welt ist…
Und Du trittst jeden einzelnen Menschen, der wirklich unter seinem Leben, dem Leben leidet, mit Anlauf und Arroganz in die Fresse.
Und dünkst Dich dabei so Weise, so voller Mitgefühl…
Was ist denn mit all Deinen Mitmenschen, die nur noch in ihrer Vergangenheit leben können, weil sie nichts anderes mehr haben?
Weil der Tod an ihre Tür geklopft hat, schon mehr als einmal, weil sie in ihrer Einsamkeit und Armut und Sprachlosigkeit nichts mehr anderes haben als Erinnerungen, als Vergangenheit?
Was ist denn mit all Deinen Mitmenschen, die schlicht und ergreifend keine „tausend schönen Momente“ hatten, an die sie besser denken sollten?
Nur, und wirklich NUR schlimme Momente, egal wie alt sie sind, die JETZT hier sitzen und es ist dort nichts, nichts was sie zum Lächeln bringen könnte?
Fällt es Dir so schwer Dir vorzustellen, das manche Leben einfach nur leer sind?
Oder nur angefüllt von Erinnerungen, die niemand niemals wieder sehen möchte?
Was ist denn mit Deinen Mitmenschen, für die es schlicht keine Hoffnung mehr gibt, die nur noch stumpf ertragen können, vielleicht weil sie einmal in ihrem Leben den falschen Weg genommen haben und sich plötzlich in einer Sackgasse wiederfinden und es ist schlicht zu spät um umzukehren?
Bist Du wirklich ein so kleines Menschlein, fehlt Dir wirklich soviel Empathie oder ist es einfach die fehlende Lebenserfahrung, das Du Dir Leben, die am Ende angekommen sind, gar nicht vorstellen kannst?
Aber es fühlt sich so gut an, nicht wahr, diese sogenannten Lebensweisheiten hier auf Facebook rauszuhauen, copy & paste, keine Sekunde für eigenes Denken und Reflexion, Likes für Dich oder ganz viele Bonuspunkte vom Guru deiner Wahl…
Oder ist es das Geld von Mami und Papi, das Du längst nicht mehr als Segnung empfindest oder als unverdiente Sicherheit, nur noch als Recht, wenn Du überhaupt über das Wasser nachdenkst, in dem Du schwimmst, ist es vielleicht einfach nur das Geld, nicht Dein Geld, das Dir den Blick versperrt?
Es gibt dort draußen Menschen, die am Ende ihrer Weisheit sind, denen es einen Dreck hilft, von Dir zu hören, das sie doch viel lieber an dieses eine Mädchen denken sollten, das ihnen einmal im Frühlingswind auf einem Fahrrad entgegen kam, im zufälligen Blütenschauer einer Kastanie.
An das Lachen eines kleines Kindes, grade so eben alt genug sich an dem Baum festzuhalten, hinter dem es mit seiner Mutter verstecken spielte.
An ihre erste Liebe.
An ihre große Liebe.
Nein, Du bist zu blind Dir vorstellen zu können, dass wir alle schlicht und ergreifend einmal ans Ende kommen.
Du denkst bei Problemen an den BMW, den Du nicht zum Studium geschenkt bekommen hast, Du denkst an Deine erste Freundin, die Dich verlassen hat, Du denkst daran, das Du Dir beim Klo putzen in Deiner WG den Fingernagel eingerissen hast…
Und vielleicht könnten wir uns darüber unterhalten, ob Dein Religions-Ersatz, Dein Guru, Deine Likes oder der 101. ‪#‎PauloCoelho‬– oder ‪#‎DalaiLama‬-Spruch nur heiße Luft sind, und selbst für Dich nicht taugen, aber am Ende muss doch die Erkenntnis warten, das niemand, niemand der wirkliche Probleme hat, der Trost bräuchte, Hoffnung, einen Weg sucht, Hilfe braucht, einen Scheiß auf ClickiBuntiFastfoodWeisheiten auf Facebook gibt.
Du, mein Freund, Du kennst nicht das Leben….
Und wir haben noch nicht einmal angefangen, über die Menschen zu reden, die überhaupt keinen Zugang zu Facebook und Internet haben. Oder zu Wasser…