Nachttanken-Büddha

Alles Mist, alles Scheiße, an jeder Front führst Du Rückzugsgefechte, und Du weißt schon längst nicht mehr, wie lange Du das schon tust, und Du weißt schon längst nicht mehr, wohin Du Dich eigentlich noch zurückziehen willst oder wohin Du Dich eigentlich noch zurückziehen kannst, vielleicht, ach, vielleicht in die Nacht, oh Mann, irgendwo hin, obwohl Du natürlich ganz genau weißt, wo das irgendwo ist, aber so liest es sich halt einfach besser, also irgendwo, blablabla…

…irgendwo, betrunken, und natürlich bist Du betrunken, aber den Flieder und den Regen in der Luft riechst Du trotzdem, irgendwo, betrunken im Kölner Westen, im satten Kölner Westen, an der endlosen Reihe von Hausfrauen-Panzern entlang, Lichter, Lachen in den Fenstern, Du schaust besser nicht nach links oder rechts, und wenn Du ehrlich bist, überlegst Du jetzt schon, wie Du es später formulieren wirst, Du, alleine in der Nacht, Awwww, schon wieder, Ooooh, Du, wie Du an einem Rückspiegel hängen bleibst, nach kurzen Zögern Dein ganzen Gewicht reinlegst und ihn abreißt, oder ihn abreissen tust? Besser jetzt, oder besser erst auf den Rückweg?  Nach dem Büddha, nach den Schlafsäcken unter der Autobahnbrücke, wo würde es besser passen?

Und Deine Leiste schmerzt, da, wo Du am Rückspiegel hängen geblieben bist, aber jetzt biegst Du an der Kreuzung ein, und vor Dir die Lichter der Nachttanke, jetzt links und rechts und unter Dir die Bahn, und garantiert lässt Du jetzt keinen Gedanken zur Endlosigkeit oder zum Fernweh zu, gehst einfach weiter, und plötzlich dort im Halbdunkeln andere Schatten, vielleicht Bewegungen, vielleicht Stimmen, vielleicht auch nicht, Schatten aber ganz sicher, Schlafsäcke, Decken, Kartons, und weiß der Geier was noch, Penner, Menschen, unter der Autobahn-Brücke, auf halber Strecke zwischen den Hausfrauen-Panzern und der Nachttanke, mitten im satten Kölner Westen… Und Du gehst weiter.

Und die Nachttanke wartet nur auf Dich, Kippen!, Bier!!, an der Kasse, die Nachtschicht, schon wieder, der fette Türke, hey, Du darfst das sagen, Euch trennen schließlich nur ein paar Gramm, HaHaHa, und diesmal, diesmal kriegst Du ihn auch zum Reden, den Nachttanke-Büddha, HoHoHo, Deine eigenen deutschen Umlaute gegen seine und so, und Du packst Dein Bier auf den Tresen, Hey, alles gut? Und er wirft Dir so nen Blick zu, und fragt diesmal „Müde?“, und Du lallst irgendwas, und er „…wegen der roten Augen“, und Du nickst, und murmelst noch schnell was, müde ist es, oder was geraucht oder so; dass Du die ganze Nacht geheult hast, muss er nicht wissen, das Dich die Frage, die reine Beobachtung aus dem Gleichgewicht haut, muss er nicht wissen…

Und auf Deinem Rückweg denkst Du darüber nach, dass er sich sein Informatikstudium an der FH mit der Nachtttanke verdient, und Deine Bierdosen wiegen schwer in der Jackentasche, und die Schatten unter der Bahn wiegen schwer in Deinem Kopf, Hausfrauen-Panzer und Lichter und Lachen links und rechts, und spätestens irgendwo hier sollte sich die Pointe finden…

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