Irgendwo im letzten Sommer…

Irgendwo im letzten Sommer, ein schneller Einkauf beim ‪#‎Rewe‬ um die Ecke, Kippen, Bier, Zeugs halt, der beste Ex-Mitbewohner der Welt noch im Laden, Wocheneinkauf für die Familie, und Du schon draußen, eine schnelle Kippe, Sommerluft und diverse Alarme, der satte Kölner Westen halt. Ein altes Ehepaar verlässt neben Dir den Laden, irgendwo jenseits der siebzig vielleicht, sicher irgendwo dort, wo Deine Eltern sind, schwer beladen, Wocheneinkauf schon wieder, jeder der beiden einen riesigen Korb in der Hand, vorsichtige Schritte zwischen Sporthochschulstudenten, SUV-Weibchen und verwöhnten Kids, ein Meter, zwei Meter, Du denkst noch, wie komisch es ist, das immer die Frau in diesem Alter so viel fitter, so viel agiler scheint, und dann hörst Du seine Stimme, geflüstert, zu seiner Frau, leise und sanft, weil es ihm peinlich ist, weil er es nicht ändern kann, weil es einfach so ist, wie es ist:
„Ich schaff es nicht…“
Und Du hörst es, und Du siehst es und es tut Dir leid, das Du es gehört hast, während Dir schon die Tränen in die Augen schießen, ein ganzes Leben zu diesem Moment gelebt, wo die Einkäufe zu schwer sind, und Du es zugeben musst.
Und Du entschuldigst Dich, so furchtbar diese Kapitulation wirklich gemacht zu haben, entschuldigst Dich und fragst trotzdem, ob Du helfen darfst, den Korb tragen darfst, Deine Stimme hölzern, weil Du nicht hier und jetzt die ganze Breitweite zulassen willst und kannst, der beste Ex-Mitbewohner der Welt kommt hinzu, begreift, und seine Stimme, seine Haltung ein Spiegel von Dir, und ihr tragt gemeinsam die Einkaufskörbe des Pärchens durch die Straßen.
Rechts abbiegen, links abbiegen, nur ein Katzensprung, Du versuchst Dich in Smalltalk, hörst, spürst dabei das Misstrauen der Frau, wollen diese Männer uns beklauen, unsere kostbaren Einkäufe!, oder uns in unserer Wohnung töten, vergewaltigen einseinself, während er von früheren Zeiten erzählt, wie das Viertel früher war, das man lange in Bonn gelebt hat, ach, tatsächlich, Sie auch, ja, das ist die andere Rheinseite nicht wahr, und über die Kinder, die sich nie melden, aber eigentlich geht es um diese Niederlage, gemischt mit Dankbarkeit, aber eine Niederlage trotzdem, leise, sanft, schwach, und wir müssen Ihnen das natürlich irgendwie vergelten, nein, nein, das ist doch eine Selbstverständlichkeit, bis zur Wohnung, der Treppe hinab zum Eingang, der Treppe hinauf bis zur Wohnungstür.
Und Du stehst mit Deinem Zeug und mit dem besten Ex-Mitbewohner der Welt wieder draußen und Du kämpfst immer noch mit Deinen Gedanken, mit Deinen Gefühlen und ihr habt beide keinen Mut auf dem Weg nach Hause irgendetwas zu sagen…
Und irgendwo im Winter denkst Du immer noch an die beiden, zwischen Sporthochschulstudenten, SUV-Weibchen und verwöhnten Kids und dem Penner, der jetzt neben dem #Rewe sitzt, und immer noch hast Du irgendwas im Auge, vielleicht wird ja auch einfach nur Dein Keks langsam weich, und vielleicht fragst Du auch deswegen den Penner, ob alles okay ist, soweit das irgendwie möglich ist, klar, und Du gibst ihm Deine letzte Schachtel Kippen und Deinen letzten zwanziger und Deine Stimme ist wieder hölzern, und Du weißt genau, das ein bisschen Anteilnahme, ein bisschen Menschlichkeit soviel mehr wert wäre, aber Du kannst es nicht, Deine letzten Barrieren würden fallen, sorry Freund, komm gut durch die Nacht, und Du hast die ganze Zeit ‪#‎Camus‬ im Kopf, die Sinnlosigkeit und den Triumph, der im Trotz liegt, im Trotz liegen muss, während in Deinem warmen Zuhause ‪#‎Facebook‬ auf ist und ‪#‎Gronkh‬ nebenbei läuft…
Und scheiß auf #Camus oder auf alle anderen, es gibt keinen Weg nach draußen, kein Loch in der Welt, keinen Triumph in der Sinnlosigkeit, keinen Ausweg – es gibt nur Momente. Nur uns…

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